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Werner Gessner gründete 1999 die
Internationale Bowlingakademie in Regensburg und leitet diese bis heute.
Nach amerikanischem Vorbild führt er Bronze-, Silber- und Gold-Level
Seminare und Individualtrainings durch. |
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Jens: Wie bist Du
zum Bowling gekommen? |
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Werner: Ich spielte von meiner
Jugend an - ich glaube so ab 12 Jahren - Eishockey. Dies begann in
Nürnberg und endete nach einer schweren Verletzung mit 22 Jahren in der
Schweiz.1965 hatte ich dann erste Kontakte als Gastspieler bei den
Amerikanern in einer Kaserne. |
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Jens: Bitte gib
uns einen kurzen Überblick über die Stationen Deiner Bowlingkarriere. |
Jens Ulmann, Werner Gessner |
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Werner: Wie gesagt, die ersten
Ballgefühle lernte ich von einem Amerikaner in der Kaserne. Mit anderen
deutschen Gastspielern, die ich auf der US Bahn kennen lernte, gründeten
wir dann den 1.BV 1968 Regensburg. Dieser Verein hat zwar heute auch
nicht mehr als ca.140 Mitglieder, doch seit Jahren ein Damen- und
Herrenteam in der 1.Bundesliga mit mehreren deutschen Meistertiteln.
1973 organisierte ich den Bau einer Bowlinghalle in Regensburg. 1977
eröffnete ich selbst eine 14 Bahnenanlage in Ingolstadt welche ich nach
sehr erfolgreichen Jahren 1986 verkaufte. 1988 machte ich in Frankfurt
meine Übungsleiterausbildung, 1990 folgte in München die
B-Trainerausbildung und ich stellte für Bayern erstmals ein Lehrwesen
auf die Beine. 1996 legte ich unter Jürgen Kohlberg meine
A-Trainerprüfung ab. 1998 anlässlich der Bowling WM machte ich eine
Bowlingausbildung in Reno/Nevada unter dem allseits bekannten
Spitzentrainer "Ron Hoppe" der 2004 ein absolut gutes Buch namens
"Top Ten Tips for Coaching the Advanced Bowler"
herausbrachte. 1999 ging es wieder in die USA um mit Fred Borden Kontakt
aufzunehmen. Hier lernte und beobachtete ich die Unterschiede von
"aktiven und passiven Coachen". Das Jahr 2001 brachte mir Kontakt und
Ausbildung bei der Int. Bowling Akademie/ Las Vegas unter Bob
Sommerville (Leider verstorben) und dem international erfahrenen Coach
Bill Hall (er trainierte auch schon das Team von Malaysia). BTM "Bowling
this Month" ist die heute anerkannteste Fachzeitschrift für Bowling, sie
entstammt der Int. Bowling Akademie/Las Vegas deren Lehrinhalte wir
heute zum großen Teil duplizieren. |
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Jens: Mit welchen Zielen hast Du die
Bowlingakademie gegründet? |
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Werner: Nachdem ich erkannte, dass
viele interessierte Bowler jeglicher Leistungsstärke nach fundierter und
aktueller Fortbildung strebten, wollte ich diese Lücke schließen. Der
laufende Erfolg mit Teilnehmern aus dem In- und Ausland gab mir recht. |
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Jens: Wie wird man ein guter Bowler? |
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Werner: Für jede mehr als
durchschnittliche Tätigkeit im Leben wie im Sport braucht es zwei Dinge:
"Talent und Willen". Das eine kann ohne das andere nicht zum erwünschten
Ziel führen. Über die Inhalte könnte man natürlich viele Seiten füllen,
eine diesbezügliche Aussage kann man aber von Sportfachleuten jeder
Disziplin immer wieder hören:
Ohne Trainerbegleitung sind Spitzenleistungen nicht möglich, egal in
welcher Sportart.
Versteht mich aber bitte nicht falsch, der Besuch eines Kurses bei uns
ist kein Garant für den Erfolg, ein Trainerschein ist keine Garantie für
gute Ausbildung.
Ein Trainer muss mit seinem Wissen dem zu Betreuenden immer einen
Schritt voraus sein, er braucht Einfühlungsvermögen und Kompetenz.
Bei dem Wort Training unterscheidet man in:
Übung von Teilbereichen, Übung in Gesamtbereichen, prozessorientiertes
Training und ergebnisorientiertes Training.
Ein Trainingsabend in der Klubgemeinschaft kann oftmals nicht als
Training, sondern muss als ergebnisorientierter Abend bezeichnet werden,
der meist mit dem Begriff "Training" nichts zu tun hat.
Grundsätzlich sollte ein Bowler für seine körperliche Fitness jeden
2.Tag zumindest 1 Stunde z.B. Powerwalking (Winter) oder Fahrradfahren
(Be-und Entlastungsbereiche (Sommer)) absolvieren. Zusätzlich sind
Kraftübungen für Fingerzug und stabiles Handgelenk erforderlich. Eine
etwas kräftige Rückenmuskulatur ist dem Bowlingsport ebenfalls
zuträglich.
Als Training auf der Bahn empfehle ich 1 x wöchentlich ein
Teilbereichstraining (nicht länger als 1 Stunde) und bei entsprechender
Entwicklung zusätzlich 1 x wöchentlich ein wettkampforientiertes
Training, d.h. absolute Prozessorientierung auf jeden Wurf ohne
Ergebnisverfolgung mit Druckaufbau. Dies kann eine 6 er Serie, möglichst
zu zweit auf der Bahn sein. Viele Spiele ohne Konzept und Inhalte
bringen keinen vorwärts. |
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Jens: Welchen Stellenwert nimmt das
Material ein? |
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Werner: Das Material nimmt
natürlich einen entsprechend großen Stellenwert ein, aber erst dann,
wenn die Grundvoraussetzungen dafür geschaffen sind.
Ich meine damit, wenn ein Sportler seine Disziplin mit den
erforderlichen Grundlagen nicht hochprozentig beherrscht, so bringt ihm
das beste Material nicht ans Endziel.
Um ein vernünftiges Sortiment von Bowlingbällen zu haben, muss man
zuerst die Technologie eines Balles verstehen. Man kann dies aber auch
dem Pro Shop überlassen. Was aber wenn etwas nicht zum Erfolg führt?
Dann kommt die große Unsicherheit: ist der Ballbohrer schuld, oder sind
die Ölungen der Bahn schuld, welchen Ball sollte ich denn eigentlich
jetzt einsetzen, den blauen oder vielleicht doch besser den roten?
Wir legen eben in unseren Seminaren Wert darauf, dass jeder Teilnehmer
zum Abschluss in einen Pro Shop gehen kann und zumindest weiß was er
will. Wenn dann eine fachliche Kommunikation mit dem Ballbohrer
entstehen kann, wird es zu einem meist guten Ergebnis kommen. |
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Jens: Wie schätzt Du die Entwicklung
im Bowlingsport ein? |
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Werner: Wenn wir von Bowlingsport sprechen, lassen
wir mal die Entwicklung des Openbowlergeschäfts raus. Für den Bereich
Sportbowling sehe ich das Problem des immer größer werdenden
finanziellen Aufwands. Damit meine ich in erster Linie nicht die
Ausrüstung alleine. Ich denke, dass der finanzielle Aufwand für
notwendigen Trainingsumfang, Fahrt- und Verpflegungskosten und
Spielgelder, für einen Normalverdiener bald nicht mehr zu realisieren
ist. Ein zusätzliches Problem für den Spitzensport ist, dass es in
Deutschland zuwenig kompetente Trainer gibt. Die Verbände verwalten den
Sport nur statt ihn zu gestalten. Ein vernünftiges Lehrwesen für eine
Trainerausbildung nach aktuellen Erfordernissen ist nirgends vorhanden.
Wenn überhaupt, so arbeiten einige Pseudotrainer mit Halbwissen.
Manchmal wissen Spieler teilweise mehr als sogenannte Trainer, die dann
zum Betreuer und Taschenträger degradiert werden.
Ich wurde vor ca.2 Jahren gebeten, ein Lehrwesen für die DBU mit
aufzubauen. Da drückte man mir einen Keglerlehrwart der 70 er Jahre mit
ins Team usw. Außer unserem Nationaltrainer Peter Lorenz war da kaum
einer zu gebrauchen - das reichte um sofort den Rückzug anzutreten.
Ich sehe da in kürzerer Zeit wenig helles am Horizont. |
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Jens: Bitte nimm
zu folgenden Aussagen einiger Hallenbetreiber Stellung:
Sportbowler verzehren nichts und meckern über die Bahnenverhältnisse,
Openbowler sind Anspruchslos und konsumieren. |
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Werner: Dazu kann ich mit Kompetenz wie folgt
Stellung nehmen:
Dass Deutschland als Servicewüste bezeichnet wird, ist uns ja - auch in
Bowlinghallen - bekannt. Dass Leute Bowlinghallen betreiben in der
Hoffnung: Sperren wir mal die Türen auf, dann kommen sicher genügend
Blöde die uns das Geld vor die Füße schmeißen.
Als jahrelanger und sehr erfolgreicher Hallenbetreiber damals in
Ingolstadt hatten wir sehr großen Erfolg mit Essensqualtität und
freundlichem Service zu vernünftigen Preisen. Meine Frau Gaby und ich
waren täglich von 10.00 Uhr Vormittag bis 1.00 Uhr Morgens mit Ausnahme
von einem freien Tag (Donnerstag)für unsere Kunden - und zwar für alle -
da. Es gab außer einer reichhaltigen Speisekarte, ein täglich
wechselndes Mittagsmenü. Es gab eine tägliche Bahnenpflege und kaum
Bahnenstops.
Wir waren um unsere Sportbowler bemüht, hatten viele Spieltage, Turniere
und Faschingsveranstaltungen mit bis zu 800 Personen. Die Vereinsbowler
halfen beim Umbau, betreuten die Jugendlichen beim Training, deren
Eltern kamen zusätzlich ins Haus, Bowlingausrüstungen wurden gekauft.
Die Eltern wurden für die Hausligen interessiert und kamen mit anderen
Gruppen. Hier wurde 80-100 Stunden in der Woche gearbeitet.
Warum verzehren die Sportbowler nichts? Weil es oft zu teuer oder zu
schlecht, oder beides ist. Da verzehren die Openbowler nämlich auch nur
Getränke. Kaum ein Sportbowler beschwerte sich über Bahnverhältnisse und
wir mussten das Öl noch mit der Handspritze zu einer Krone auftragen.
Heute gibt es die Erleichterung durch modernste Ölmaschinen, da ist es
doch kein Problem für reservierte Bahnen eines Klubs mal ein
entsprechendes Ölmuster aufzutragen, aber dazu ist man ja nicht bereit.
Da müsste ja einer was davon verstehen und zusätzliche Arbeit ist es
auch.
Genau deshalb werden die Kindergeburtstags-Ölungen auch an Spieltagen
aufgetragen, weil es ja Arbeit macht etwas anderes einzustellen.
Zur Frage Amateure spielen nur in Hallen mit leichten Mustern!
Norm Duke und Mike Aulby - beides Bowlinglegenden aus dem Profigeschäft
sagten einmal: "Kommst Du in eine Halle zum Training und die Bahn kommt
Dir total auf einer Hauslinie entgegen, so packe Deine Bälle ein und
gehe woanders hin, denn hier kannst Du nichts lernen. Wenn jemand
Trainingsweltmeister auf seiner leichten Anlage sein will, soll er dort
bleiben. Auf anderen Anlagen wird er sicher untergehen - oder es war
natürlich eine scheiß Bahn. |
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Jens: Wie sieht
Deine Planung für die Zukunft aus? |
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Werner: Na ja, wenn ich ehrlich bin - weniger
Seminare. Das biologische Alter macht mir zwar "noch" keine Probleme,
aber ich möchte mehr Freizeit mit meiner Frau Gaby verbringen, da blieb
mit dem Bowling doch in der Vergangenheit zuwenig übrig. Mit meinem
Freund und Ballbohrspezialist Michael Grabovac
(hier klicken
für seinen Webauftritt) möchte ich mich wieder mehr beschäftigen,
sowie dem Balldesigner Mo Pinel (MoRich)in den USA einen Besuch
abstatten. |
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Jens: Vielen Dank,
dass Du Dir nach unserem Training noch die Zeit für dieses Interview
genommen hast. |
Euer Webmaster
Jens Ulmann
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