|
Erfahrungsbericht über das erste Coaching Seminar, geleitet von Werner
Gessner,
internationale Bowling Akademie
in Regensburg (19. - 21. März 2010)
Ort:
Super Bowl in
Regensburg und Seminarraum im
Hotel Forsters -
Gasthof zur Post-
Inhalte
des Kurses:
Praxis: von der Aufstellung bis zur Finishposition
Praxis: Rückkopplung der Bewegungsmerkmale,
Abgabetechniken
Theorie: Analyse aus Eigenrealisation, Erklärung der Bewegungsinhalte
Praxis: Linienaufbau / Anpassung, Individuelle
Problemlösungen, Ballcheck, Open end
Theorie: Materialkunde, Taktik mit Linienaufbau / Anpassung
Trainer:
Werner Gessner
Vorwort:
Früher oder später erreicht jeder
begeisterte Hobbybowler seinen
"natürlichen" Schnitt. Je nach Talent
und investierten Spielen, liegt dieser
in Abhängigkeit vom Material und
bespielten Hallen und den damit
verbunden Ölmustern, zwischen 160 und
180 Pins.
Um weiter zu kommen, gibt es die
Möglichkeit in einen Bowlingverein, bzw.
Bowlingclub einzutreten. Doch wer
glaubt, hier ist es normal einen Trainer
zu haben, irrt in vielen Fällen. Gerade
in Großstädten gibt es viele kleine
Clubs, die sich keinen Trainer leisten
können, oder wollen.
Selbst die Clubs, die aktiv Mitglieder
zum Trainer ausbilden lassen möchten,
scheitern häufig daran, dass es kaum
Möglichkeiten hierzu gibt.
Die Ausbildung der C-Trainer, die
kleinste offizielle Trainerlizenz, ist
Ländersache. Allerdings wird daran
gearbeitet, die Ausbildung bundesweit zu
vereinheitlichen, was vorerst zu
begrüßen ist. Da dieses, unter anderem,
momentan aber dazu führt, dass erst
einmal gar nicht ausgebildet wird, ist
es, gerade im Hinblick auf schwindende
Mitgliederzahlen, anzuprangern!
Die Ausbildung der B- und A-Trainer ist
DBU-Sache. Doch auch hier werden Termine
häufiger verschoben.
|
 |
Selbst wenn eine C-Trainer-Ausbildung
angeboten wird, schreckt diese
potentielle Club-Trainer häufig ab.
Nicht nur die Kosten (in der Regel über
300,00 Euro), sondern auch die Anzahl
der theoretischen Lerneinheiten (von ca.
140 á 45 Minuten ca. die Hälfte, wobei
es sich zukünftig ändern könnte).
Hier bietet die internationale
Bowlingakademie, vertreten durch Werner
Gessner, eine weitere Möglichkeit an.
Zwar kostet das Coaching-Seminar im
Prinzip sogar mehr, als eine
C-Trainerausbildung, wenn man
Übernachtung und Verpflegung
hinzurechnet. Dafür erhält man aber
kompaktes und klar strukturiertes
praktisches Wissen, gepaart mit
ergänzender und aufbauender Theorie
(Materialkunde, Videoanalyse, ...). |
 |
Werner Gessner
begrüßte die Teilnehmer zum ersten
Coaching-Seminar im Seminarraum im
hinteren Bereich der Bowlinghalle.
Er stellte klar, dass ein guter Trainer
kein guter Bowler sein muss. Allerdings
hilft es ungemein, wenn der Trainer,
gerade in der Bewegungslehre, nicht nur
erklären, sondern auch zeigen kann.
Werner erklärte den Fahrplan des
Wochenendes und nahm zu den kommenden
Themen Stellung.
Wichtig ist ihm, das wir verstehen, das
nicht die Kurbel den erfolgreichen
Bowler ausmacht, sondern der Kopf. Doch
die Steigerung davon ist das
Bewegungsgefühl. Durch Kompetenz soll
zwischen Trainer und Schüler ein
Vertrauensverhältnis aufgebaut werden,
das genutzt wird, um ein Gefühl für
Bowling zu entwickeln. Um das zu
verdeutlichen, zitiert er einen Bowler,
der ein Turnier gewonnen hat mit
folgenden Worten: "es hat sich heute gut
angefühlt!" |
 |
Zu den ersten Aufgaben eines Coaches
gehört die Kontrolle der
Trainingsvorbereitung. Hierzu gehören
gereinigte und gegebenenfalls getapte
Bälle, die Wahl der richtigen
Wechselsohle für den Anlauf und
natürlich das Aufwärmen. Das Aufwärmen
ist wohl einer der wichtigsten Punkte
vor dem Training und Wettkampf. Vor den
Dehnübungen sollte beachtet werden, dass
die kalte Muskulatur, z.B. durch
Pendelübungen, erwärmt wird. Ein
häufiger Fehler im Wettkampf ist, ohne
Aufwärmung Probewürfe zu machen und
danach den Ball auszuwählen.
Nach dem Aufwärmen sollten die
Teilnehmer ein paar Würfe machen. Werner
beobachtete sorgsam jeden Einzelnen und
erklärte später, das ein Großteil der
Trainerarbeit das Beobachten der Schüler
ist. Damit ist nicht die Ballabgabe
gemeint, sondern: Wurfvorbereitung,
Aufstellung (Poweraufstellung), Push
Away, Pendel, Schrittfolge, Stand,
Abgabe, Follow Through. |
 |
Nachdem die Teilnehmer von Werner
jeweils auf die zu beachtenden Punkte
hingewiesen wurden, zeigte er einige
Übungen für Schüler. Ziel soll ja immer
das Fühlen der Bewegung sein.
Um möglichst viele Fehler auszuschließen
und einzelne Teile des Bewegungsablaufs
zu trainieren kann ein simpler Stuhl
herangezogen werden. Man setzt sich auf
den Stuhl, verschränkt das rechte Bein
hinter dem vorderen Stuhlbein und hält
sich mit der linken Hand am Stuhl fest.
Der Oberkörper ist, wie bei der Abgabe,
leicht nach vorn und rechts gebeugt, die
rechte Schulter hängt etwas herunter.
1. Übung: Der Ball wird leicht hin und
her gependelt, die Schulter hängt
herunter, aber pendelt nicht mit,
sondern bleibt gerade! Der Ball wird aus
dem Pendel nach vorne herausgelassen.
2. Übung: Das Pendel bleibt gleich, aber
die Handstellung wird variiert
(Vorwärts- bzw. Seitenroll, Zeigefinger
am Mittelfinger, bzw. abgespreizt). |
 |
Um diese Übungen mit Schülern
erfolgreich durchführen zu können, zeigt
Werner, worauf der Coach zu achten hat
und gibt Tipps, wie Fehler korrigiert
werden können.
Die einfachste Art dafür ist, die Hand
leicht auf oder vor die Schulter zu
drücken, um dem Schüler zu ermöglichen
zu fühlen, wann die Schulter mitgeht. |
 |
Nach einem gemeinsamen Abendessen ging
es am Samstag Morgen mit einer kurzen
Wiederholung des gelernten und der
Korrektur einiger verbesserungswürdiger
Punkte weiter.
Ergänzt wurde diese Praxiseinheit durch
das Überprüfen von zwei wichtigen
Punkten, die jeder Bowler kennen muss!
Die Bestimmung des Aufstellpunkts und
der Leistenbreite für das Linienspiel.
Häufig setzen Schüler den Ball zu spät
nach vorne ein, so dass der Ball vor der
Abgabe noch zu weit hinten ist und nach
vorne gerissen werden muss. Werner zeigt
hier 2 Übungen, um den Push Away zu
trainieren. Zuerst stellt sich der
Trainer vor den Schüler und fängt den
Ball nach dem Push Away auf. Dieses wird
solange wiederholt, bis der Push Away
locker nach vorne und unten
gleichermaßen gesetzt wird. Jetzt soll
der Push Away synchron mit dem ersten
rechten Schritt (beim Rechtshänder)
starten. Passiert dieses zu spät, kann
der Trainer den Ball leicht nach vorne
und unten drücken. |
 |
Weiterhin portierte Werner das freie
Pendel vom Stuhl weg auf den Anlauf.
Auch hier kann es helfen, dem Schüler
die Hand auf die Schulter zu legen. Zum
Einen, um die Bewegung der Schulter nach
vorne zu stoppen, zum Anderen um Tempo
aus dem Anlauf zu nehmen.
Für die Schüler, die zum Rumgreifen
neigen, rät Werner bei der Aufstellung
das Anheben des Ringfingers (leichte
Rechtsdrehung des Handgelenks). Dadurch
wird der Ellenbogen dichter an den
Körper gedrückt.
Danach warfen die Teilnehmer in die
Vollen, was ich mit der Videokamera für
die spätere Videoanalyse filmte. |
 |
|
Eine der starken Seiten von Werner
Gessner als Trainer ist das anschauliche
Demonstrieren. Was passiert, wenn der
Ball gedrückt, also die rechte Schulter
beim Pendel nach vorne geführt wird? |
 |
 |
Die meisten Bowler werden wohl nicht auf
die Bahn fallen, aber wir können es
häufig beobachten, dass einige Bowler
nicht stabil stehen und dem Ball nach
vorne, bzw. vorne rechts folgen. Dieses
äußert sich in einem kleinem Sprung oder
dem wegkippen zur Seite.
Das ist für die Trainer ein Indiz für
eine instabile Schulter. Allerdings ist
hiermit nicht die (durch das Ballgewicht
normale)hängende Schulter gemeint! |
 |
Während inzwischen recht viele Bowler
Tapes für das Daumenloch benutzen, um
ein optimales Passgefühl auch bei an-
bzw. abschwellendem Daumen zu
gewährleisten, wird das Daumentiming
häufig noch nicht optimiert.
Es gibt hierzu Tapes, die auf die
Rückseite des Daumens geklebt werden.
Diese sorgen für ein späteres
rausrutschen des Daumens Vise Grip Hada
Patch 1(nicht rutschig) bis schnelles
rausrutschen Vise Grip Hada Patch 4 grau
(sehr rutschig).
Ausprobiert haben wir die rote 2 (nicht
so rutschig) und die graue 4. |
 |
|
Die Mittagspause verbrachten wir mit
einem gemütlichen Spaziergang zur
Walhalla. Bei angenehmen Wetter konnten
wir den weiten Ausblick genießen und
Energie für die Theorie tanken. |
 |
In der Walhalla-Stube des Hotel
Forsters, in dem die Teilnehmer
untergebracht waren, ging es zuerst um
die Analyse der Bewegungsabläufe vom
Vormittag. Das Forsters stellte uns zu
diesem Zweck einen modernen
Flachbildschirm zur Verfügung.
Allerdings ging es hier nicht erstrangig
um die Fehler der Teilnehmer, sondern um
das Schärfen des Blicks für die Analyse:
Aufstellung: Schulter, Ballhaltung,
Hüfte, Kopf über Ball, Ball an der
Seite, relaxte Aufstellung, Knie
Abgabe: Nichtspielarm seitwärts, Distanz
des Slidefußes zur Foulline, Kopf über
Knie, frühes, spätes Timing
Pendel: Push Away rechtzeitig und nicht
zu kurz oder zu weit nach vorne,
Ellenbogen dicht am Körper
Tipp: Achte bei der Abgabe auf den
Slidefuß. Zeigt er schräg nach rechts,
kann dieses ein Zeichen (Entgegenwirken)
für Ball holen, bzw. drücken sein. |
 |
In der darauf folgenden Materialkunde
erklärte Werner die Grundlagen des
modernen Bowlingballs. Er ging auf
verschiedene Balloberflächen, Kerne und
Bohrlayouts ein.
Grundsätzlich gilt, das ca. 65% der
Action des Bowlingballs von der
Oberfläche kommen, ca. 20% vom Kern und
weitere 15% durch das Bohrlayout. |
 |
|
Um das Bohrlayout zu überprüfen, bzw.
bei neuen Bällen das richtige Layout für
die gewünschte Unterstützung der
Ballreaktion zu erreichen, erklärte
Werner den PAP und maß diesen von jedem
Teilnehmer. |
 |
Der Sonntag Morgen begann wieder mit
Praxis. Dieser Teil, der sich mit
Linienspiel- und Anpassung beschäftigt,
wird von den Teilnehmern immer mit
besonders großer Spannung erwartet. Geht
es hier doch vermeintlich um die Kunst,
hohe Ergebnisse zu spielen.
Werner stellte jedoch zugleich klar, das
Schüler, die keinen stabilen
Bewegungsablauf haben, mit diesen
Lerneinheiten schnell überfordert
werden. Denn wer eine Streuung von 5
Leisten hat, kann mit einer 2 zu 1
Anpassung nicht wirklich was anfangen.
Werner gab Anleitungen, im Training
verschiedene Linien zu spielen. Gerade
die Außenlinien, z.B. parallel zur 3.
Leiste, sind häufig im Wettkampf
erfolgreich, da sie selten gespielt
werden. Die Variation im Handgelenk
(Einstellung auf Vorwärtsroll) und die
Höhe des Balls bei der Aufstellung
spielen dabei eine wichtige Rolle.
Da sich die Bahn nach und nach
verändert, sind entsprechende
Anpassungen, bis hin zum Linienwechsel
unausweichlich.
Erstaunlich war, wie groß Auswirkungen
selbst kleiner Veränderungen sein
können. So gelang es relativ leicht,
durch Anlegen des Zeigefingers an den
Mittelfinger deutlich mehr Länge zu
erreichen. |
 |
Parallel zum praktischen Teil vermaß
Werner die Hände der Teilnehmer und
erstellte für jeden Teilnehmer einen
Bohrzettel.
Auch demonstrierte er die Verwendung
eines Ballspinners und die Anpassung der
jeweiligen Balloberflächen.
Die Grundlagen der Materialkunde wurden
erweitert durch die Erklärung der von
den Ballherstellern angegebenen Begriffe
RG, Differential, Flare-Potential, Core-Torque,
Länge, Backend und Hook. Werner empfahl
hier die Bowlingzeitschrift
Bowling this month, die unabhängig
von den Herstellern Bälle bewertet.
Alternativ stellt Werner viele
Information auf der
Bowlingpage bereit. |
 |
Die abschließende Theorie bezog sich auf
die Vorbereitung und Durchführung von
Trainingseinheiten. Vor jedem Training
steht eine Ist-Analyse und die
Definition des Soll-Zustandes. Kleine
und erreichbare Ziele sind besser als
weitgesteckte Ziele.
Eine Trainingseinheit kann aus bis zu 2
Trainingsstunden á 45 Minuten bestehen.
Es sollte jedoch pro Trainingsstunde nur
ein Schwerpunkt trainiert werden und
solange wiederholt werden, bis sich
dieser sicher abrufen läßt.
Die Nachbereitung wird gerne
vernachlässigt, ist aber wichtig, um die
erreichten Ziele zu verdeutlichen. |
 |
Zu guter Letzt gab es die erhofften
Zertifikate.
Werner ermunterte die Teilnehmer weiter
an sich zu arbeiten und gegebenenfalls
das Erlernte in einer Trainerausbildung
zu vertiefen.
Sicherlich sind wir noch keine Trainer
geworden, aber mit dem Wissen und der
praktischen Arbeit, in Verbindung mit
den vielen Tipps von Werner, sind wir
auf dem Weg für unseren Verein ein guter
Coach zu sein ;-)! |
 |
 |
Euer Webmaster
Jens Ulmann |